12.04.2023

In den Glauchauer Orts­teilen Niederlungwitz und Reinholdshain sind neun Windräder geplant. Wenn der Windpark in Betrieb geht, können die umlie­genden Kommunen jähr­lich Geld bekommen. Auf Glauchau entfielen um die 178.000 Euro. Dennoch gibt es Skepsis von hoher Stelle.


Was Anrainer von Windrädern haben

Immer wenn irgendwo Windräder aufgestellt und betrieben werden, gibt es für die betroffenen Städte und Gemeinden Geld. Das ist gesetzlich so vorgeschrieben. Paragraf 6 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes regelt das Verfahren. Betreiber von Windkraftanlagen sollen den Anliegerkommunen 0,2 Cent je erzeugter Kilowattstunde zahlen.

Im Fall des geplanten Windparks im Glauchauer Ortsteil Niederlungwitz sind es nach Angaben des künftigen Betreibers, der Windparkanlagen Niederlungwitz GmbH und Co. KG, etwa eine Viertelmillion Euro pro Jahr, die an die betroffenen Kommunen ausgeschüttet werden sollen. Gradmesser sind die Flächen der jeweiligen Gemeinde, die sich in einem Radius von 2,5 Kilometern rund um die Windräder befinden. Im konkreten Fall sind Flächen in Glauchau, Remse, Waldenburg, Callenberg und St. Egidien betroffen, freilich mit unterschiedlich großen Flächen. In dem Radius gehören etwa 71 Porzent zu Glauchau, gefolgt von St. Egidien (18 Prozent), Callenberg (7 Prozent) sowie Waldenburg und Remse mit je zwei Prozent. Zwar gibt es noch keine ganz genauen Messungen, aber der Betreiber hat auf seiner Internetseite schon mal die ungefähren Beträge genannt, die die Anliegerkommunen pro Jahr be­kommen würden. Glauchau kriegt demnach mit etwa 178.000 Euro pro Jahr das größte Stück vom Kuchen ab. St. Egidien würde jährlich etwa 45.000 Euro erhalten, auf Callenberg entfielen etwa 17.500 Euro. Mit jähr­lich jeweils 5000 Euro wären Remse und Waldenburg auch dabei.
Das Geld fließt erst, wenn der zu­künftige Windpark Strom produ­ziert. Nach jetzigem, Stand der Din­ge ist der Baubeginn für 2024/2025 anvisiert. In diesen Wochen soll der Antrag auf die Genehmigung einge­reicht werden. Nach Informationen des Betreibers wird Ende 2023 oder Anfang 2024  mit immissions­schutzrechtlichen Genehmigung gerechnet. Erst danach könne mit en weiteren Vorbereitungen begonnen werden. Laut Betreiber soll der künftige Windpark etwa 125 Millionen Kilowattstunden im Jahr produzieren. Damit könnte man 41.000 Haushalte mit Strom versorgen.

Auch wenn die Stadt Glauchau jährlich 178.000 Euro bekommen würde, Oberbürgermeister Marcus Steinhart (CDU) hält den geplanten Windpark für zu groß. „Mir fehlen bei diesem Projekt Maß und Mitte“, sagte er jüngst zu den Stadträten. Al­lerdings sei die Stadt Glauchau am gesamten Verfahren auch nicht be­teiligt und habe keinen Einfluss auf die Dimension des Windparks, der neun Windräder in der Nähe der Pappekallee in Niederlungwitz vorsieht. „Immer wenn man mit dem Auto nach Glauchau kommt, be­grüßt einen bislang der Bismarck­turm. Künftig werden es neun große Windräder sein", fügte Oberbürgermeister Steinhart hinzu. Als Ziel hat das Stadtoberhaupt ausgegeben, für die betroffenen Glauchauer finanzi­ell so viel möglich herauszuholen. Das gelte auch für den Ortsteil Ge­sau/Höckendorf/Schönbörnchen, denn in dessen Nachbarschaft ste­hen auf Dennheritzer Flur drei Windräder.

Betroffen vom künftigen Wind­park in Niederlungwitz sind viele. Zunächst mal die Bewohner in den nahegelegen Ortsteilen. die um den Wert ihrer Grundstücke fürchten, wie sie auf den beiden Infoveranstal­tungen in Niederlungwitz und in Reinholdshain bereits deutlich machten. Die Windräder – acht sind auf Niederlungwitzer Flur und eins auf Reinholdshainer Territorium vorgesehen – werden, wenn sie aufgestellt sind, weiterhin zu sehen sein. Selbst von der Virchowstraße in der Nähe des Glauchauer Krankenhauses aus soll man die Anlagen vom Typs Vestas V162-6.2 MW sehen können. Auf der Internetseite des Betrei­bers sind Bilder der Sächsischen Energieagentur veröffentlicht, die die Ansicht des künftigen Windd­parks von verschiedenen Stellen aus deutlich machen. Der geplante An­lagentyp hat laut Betreiber eine Ge­samthöhe von 250 Metern und ei­nen Rotordurchmesser von 162 Me­tern. Die Nabenhöhe beträgt 169 Meter. Zum Vergleich: Das große der insgesamt drei Windräder im Nach­barort von Gesau, i.n Dennheritz, hat eine Nabenhöhe von 141 Metern.

 

Erschienen am 12.04.2023 | Von Stefan Stolp
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