23.05.2022

Die Fläche entlang der Betonstraße zwischen Dorf und Ebersbacher Wald ist laut Regionalplan-Entwurf ein Potenzialgebiet. Der Ortsvorsteher will nun größeren Ärger vermeiden.


Geplante Windräder werfen in Niederlungwitz Fragen auf

In Dennheritz stehen sie schon seit geraumer Zeit, kürzlich sind in Mosel und in Lobsdorf jeweils zwei Windräder aufgestellt worden. Und nun ist Glauchau, genauer gesagt der Ortsteil Niederlungwitz, in den Mittelpunkt gerückt. Eine Fläche links und rechts der Plattenstraße, die von der Pappelallee in Richtung Ebersbacher Wald führt, ist im Teilregionalplan Wind als Potenzialstandort für Windenergieanlagen auserkoren worden. "Das hat für Unruhe im Dorf gesorgt", sagt der Niederlungwitzer Ortsvorsteher Uwe Wanitschka.

Als der Ortschaftsrat im Herbst letzten Jahres von der Landesdirektion um eine Stellungnahme zum Teilregionalplan und der darin enthaltenden Potenzialfläche abgeben sollte, hat laut Wanitschka der Ortschaftsrat ihn abgelehnt. "Wir haben dort den Wanderfalken und den roten Milan, das sind gefährdete Arten", sagt er. Doch mittlerweile habe er seine Auffassung geändert, nicht zuletzt auch aufgrund der politischen Situation, die sich auf den Energiesektor auswirke. Darüber hinaus haben sich Wanitschka zufolge bereits drei
Unternehmen gemeldet, die eine Windkraftanlage betreiben wollen. Und aus Sicht des Ortsvorstehers werde Niederlungwitz über kurz oder lang mit dem Anblick der Windräder leben müssen, obwohl noch nicht klar ist, wie viele es werden und wie hoch sie sind. Denn konkrete Planungen gebe es noch nicht. Aber der Blick in Richtung Lobsdorf lasse es erahnen.

Doch Wanitschka will größeren Ärger im Dorf vermeiden und hat die Sächsische Energieagentur Saena ins Boot geholt. "Es gibt viele Fragen und wir wollen so viel wie möglich für das Dorf herausholen", sagt der Ortsvorsteher. Und da gibt es einige Möglichkeiten. Wie Sebastian Breitlauch, Berater für zukunftsfähige Energieversorgung bei der Saena, sagt, gibt es für Kommunen verschiedene Möglichkeiten, von Windkraftanlagen auf ihrer Flur zu profitieren. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz ermögliche eine finanzielle Beteiligung der Kommunen an den Windrädern. Darüber hinaus seien auch Gewerbesteuereinnahmen möglich. Für den Eingriff in die Natur und das Landschaftsbild müssen laut Breitlauch sogenannte Kompensationsmaßnahmen umgesetzt werden. So könnten beispielsweise Flächenentsiegelungen, Aufforstungen oder der Rückbau alter Ruinen im Gemeindegebiet umgesetzt werden. Zu all diesen Fragen wollen sich Wanitschka und der Ortschaftsrat von der Saena weiter beraten lassen. Doch es gibt ein Problem, die Kommune, die sich möglicherweise finanziell beteiligt und Gewerbesteuern einnimmt, ist nicht Niederlungwitz, sondern die Stadt Glauchau. Zu diesen Fragen hat sich Ortsvorsteher Wanitschka bereits mit den einen oder anderen OB-Kandidaten ausgetauscht. Sein Ziel bestehe darin, dass Niederlungwitz etwas vom Kuchen abbekommt. Wie viel, das sei Verhandlungssache.

Das Potenzialgebiet zwischen Niederlungwitz und Ebersbacher Wald wird derzeit überwiegend landwirtschaftlich genutzt. Es berührt mehrere Flurstücke. Werden Windräder errichtet und betrieben, können die Grundstückseigentümer mit Pachteinnahmen rechnen. Dazu müssten nach den Worten von Berater Sebastian Breitlauch einzelne Verträge abgeschlossen werden. Breitlauch rät dazu, dafür einen Fachanwalt zurate zu ziehen, denn es seien viele Dinge zu beachten. Neben dem eigentlichen Pachtvertrag zwischen dem Grundstückseigentümer und dem Betreiber des Windrades für die von ihm genutzte Fläche komme möglicherweise noch ein Entschädigungsvertrag hinzu, wenn die Fläche beispielsweise bereits an einen Landwirt verpachtet ist, und der das Grundstück wegen der Standfläche des Windrades und der erforderlichen Zuwegung nicht komplett nutzen kann.


© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
Erschienen am 23.05.2022 | Von Stefan Stolp

https://www.freiepresse.de/zwickau/glauchau/geplante-windraeder-werfen-in-niederlungwitz-fragen-auf-artikel12197916